Parität Bayern

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Frauen berichten

Es haben sich einige Frauen bereit erklärt, Berichte über das Leben in der Bleyerstraße zu schreiben und was es für sie bedeutet hat hier zu leben.

Frau B., 19 Jahre alt mit ihrer Tochter S., 10 Monate alt

Seit 16 Monaten im Haus

"Es war ein Schock für mich!!! Meine Mutter hat mich aus der Wohnung rausgeschmissen als sie erfahren hat, dass ich schwanger bin. Durch den ganzen Stress bin ich im Krankenhaus gelandet. Meine Situation habe ich einer Sozialberaterin erklärt, sie sagte mir, dass es Mutter-Kind-Häuser gibt, und gab mir die Telefonnummer von dem Mutter-Kind-Haus in der Bleyerstraße. Ich wusste nicht ob ich in ein Mutter-Kind-Haus gehen sollte. Ich hatte Angst, dass ich weniger Freiheit haben werde, dass ich mit jemanden das Zimmer teilen muss... Schließlich habe ich mich entschieden zumindest das Haus anzuschauen.

Ich war froh einen Vorstellungstermin im Haus zu bekommen, eine Freundin von mir hat mich dahin begleitet. Vor dem Gespräch gingen mir einige Gedanken durch den Kopf, z. B. komme ich mit den Frauen dort klar, ist es überhaupt was für mich... Das Gespräch mit dem Sozialpädagogen Herrn Schlesinger hat mir gut gefallen, ich habe ihm erzählt was bei mir zur Zeit los ist, und er schilderte mir wie das Wohnen im Haus so ist. Ich habe mich dann entschieden in das Haus einzuziehen und war einerseits der einen Seite glücklich, dass ich jetzt ein Dach über dem Kopf hatte, andererseits fühlte ich mich sehr einsam und traurig.

Eine Woche nach dem Vorstellungsgespräch zog ich in das Haus ein. Ich hatte nur ein paar Klamotten dabei und kein Geld. Hausrat wurde mir vom Haus ausgeliehen. Die Sozialpädagogin, die für mich zuständig war sagte mir, zu welchem Jobcenter ich gehen muss um Arbeitslosengeld II zu beantragen. Ich bekam Hilfe bei dem Ausfüllen des Antrags. Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten mich zu öffnen, wollte eigentlich mit niemandem sprechen. Im Laufe der Zeit hat sich das verändert. Ich habe Unterstützung bekommen wenn ich mit dem „Papierkram“ nicht klar gekommen bin, oder wenn ich Fragen hatte über meiner Schwangerschaft und über Erziehung meiner Tochter. Wenn ich mit ihr nicht weiter wusste, dann konnte ich zu einer Kinderkrankenschwester gehen, die ihr Büro auf dem Gelände des Hauses hat.

In der ersten Zeit im Haus habe ich mich in mein Zimmer zurückgezogen, habe viel über meine Familie nachgedacht, über alles was passiert ist. Ich fühlte mich einsam... Mit der Zeit habe ich einige Bewohnerinnen kennen gelernt. Ich habe sogar zwei sehr gute Freundinnen gewonnen. Die meisten Frauen haben ähnliche Probleme wie ich, wir sprachen oft miteinander, ich fühlte mich von denen verstanden. Im Haus fand ich gut, dass es Frauen aus unterschiedlichen Kulturen gab, eine Frau kam aus Ghana, meinem Heimatland, die sogar den selben Vornamen hatte wie ich. Gleichzeitig waren auch Frauen da mit denen man sich nicht verstanden hat. Mein Zimmer befand sich neben dem Spielzimmer, manchmal war es mir zu eng und laut.

Mittlerweile bin ich seit 16 Monaten im Haus. Mit dem Abstand von meiner Familie wurde die Beziehung zwischen meiner Mutter und mir viel besser. Ich hatte viel Zeit um über alles nachzudenken. Einen Krippenplatz im Haus habe ich gekriegt, so kann ich meine Ausbildung weiter machen. Und vor einem Monat habe ich sogar eine Sozialwohnung bekommen. Für mich geht es Bergauf und ich hoffe, dass es so bleibt!


PARITÄTISCHE
HAUS FÜR MUTTER UND KIND

MÜNCHEN gGmbH

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